GM Buhmann: Natürlich!

Krennwurzn: Gut, aber spannen wir die Leser noch ein wenig auf die Folter und beginnen wir mit Unwichtigem: kennen Sie die Krennwurzn?

GM Buhmann: Ein wenig, aber ich bin kein großer Blogleser, habe aber hier Ihre Rundenberichte gelesen.

Krennwurzn: Bleiben wir mal hier beim Donauopen 2012 in Aschach, Sie waren die klare Nummer 1, aber das Turnier ist nicht nach Wunsch verlaufen.

GM Buhmann: Nun ich habe die letzten beiden Open in Graz und Oslo gewonnen und mir war klar, dass es nicht so weitergehen würde - es auch wieder Rückschläge geben wird. Aber mit dem Spiel hier kann ich dennoch nicht unzufrieden sein, ich erreichte gute Stellungen, konnte die aber dann doch nicht gewinnen und verlor sogar die Partie in der dritten Runde gegen Florian Schwabeneder mit Zeitüberschreitung im 39. Zug – normalerweise passiert mir das nie und die Stellung war wohl die ganze Zeit ausgeglichen. Mich freut aber auch, dass hier so viele junge SchachspielerInnen teilnehmen und sich hervorragend schlagen. Wie es aussieht wird der junge Österreicher FM Lukas Handler das Turnier gewinnen wird. (Anmerkung: Zum Zeitpunkt des Interviews war noch nicht klar, dass sogar drei junge Österreich das Turnier anführen werden – Infos www.aschach.at/schach)

Krennwurzn: Sie spielen relativ viele Open – warum?

GM Buhmann: Ich spiele gerne Schach und zudem bin ich Profi und muss daher auch ans Geldverdienen denken! So geht es bei mir nach einem Abstecher zu Silvester nach Wien am 2. Jänner mit dem Staufer Open weiter, das ich schon zweimal gewinnen konnte, denn normalerweise habe ich anders als hier gute Ergebnisse bei Doppelrunden.

Krennwurzn: Thema Geld und Profi – die Krennwurzn behauptet ja immer, dass man erst ab 2700 (Top 50) ernsthaft daran denken sollte vom Schach leben zu wollen.

GM Buhmann: Das sehe ich nicht so! Es ist klar, dass man darunter nicht reich werden kann, aber man kann durchaus ein solides Einkommen erzielen. Dieses ist durchaus vergleichbar mit einem durchschnittlichen Einkommen, mit dem sehr viele in Deutschland auch über die Runden kommen müssen. Ein wesentlicher Unterschied ist, dass das Einkommen wie bei anderen Selbständigen auch nicht so regelmäßig hereinkommt, aber auch das ist auch beherrschbar.

Krennwurzn: Warum gibt es dann in Deutschland (Westeuropa) so viele vielversprechende junge Schachspieler, die sich gegen eine Profikarriere entscheiden?

GM Buhmann: Es gibt auch hier in Europa immer noch starke Unterschiede in den Lebenshaltungskosten, so dass es natürlich in den Ländern mit den höchsten Lebenshaltungskosten schwieriger ist, mit Schach ein entsprechendes Einkommen zu erzielen. Gerade aber aktuell beispielsweise in Asien ist Schach oftmals eine Chance in Einkommensklassen aufzusteigen, die dort in durchschnittlichen Jobs unerreichbar wären.

Krennwurzn: Was haben Sie für schachliche Ziele?

GM Buhmann: Ich möchte mein Spiel noch verbessern und meine Elozahl auf 2650 steigern, aber vor allem möchte ich in noch mehr Ligen spielen, denn neben dem dann konstanteren Einkommen, machte es mir unheimliche Freude andere Orte und Menschen kennenzulernen, da ich nicht nur gerne reise und anschaue, sondern auch etwas mehr über Land und Leute aus direkter Erfahrung mitnehmen möchte.

Krennwurzn: Nähern wir uns dem Thema Deutschland etwas an – was sagen Sie zu diversen Betrugsfällen, egal ob nun erwiesen oder als Verdachtsfälle?

GM Buhmann: Ein sehr trauriges und schwieriges Thema und es wird wohl in einem generellen Handyverbot enden – wie das beispielsweise wir hier bei einem großen Open umgesetzt werden kann ist mir nicht klar, da sehe ich große Schwierigkeiten auf die Organisatoren zukommen. Bei eigenen Partien verschwende ich keinen Gedanken an die Möglichkeit dass der Gegner betrügen könnte, sondern konzentriere mich voll und ganz auf mein Spiel.

Krennwurzn: Sie haben als einer der wenigen schon länger eine eigene Homepage http://www.rainerbuhmann.de/

GM Buhmann: Erinnern Sie mich nicht daran – ich müsste die mal dringend wieder aktualisieren!

Krennwurzn: Sie wurden 2011 mit Deutschland Mannschaftseuropameister – ist das ihr größter schachlicher Erfolg?

GM Buhmann: Ganz klar! Wir sind zwar als Außenseiter Europameister geworden, aber wir sind es nicht unverdient geworden, denn wir haben die Kämpfe zwar knapp aber meist durchaus verdient gewonnen. Natürlich hatten wir auch ein wenig das Glück auf unserer Seite, aber das gehört dazu. Schade ist, dass dieser Titel in Deutschland außerhalb der Schachwelt so wenig wahrgenommen wurde, das stimmt mich doch ein wenig traurig.

Krennwurzn: So traurig, dass Sie über einen Föderationswechsel nachdenken?

GM Buhmann: Wie kommen Sie auf diese Idee?

Krennwurzn: Naja Sie sind aus dem deutschen A-Kader rausgefallen, haben eine Wohnung in Graz und daher munkelt man in Forenkreisen ...

GM Buhmann: Wie so oft an solchen Internetspekulationen ist nichts dran – ich denke nicht an einen Föderationswechsel, ich spiele weiterhin gerne für Deutschland, wenn sich mir die Chance bietet und ich möchte weiter Teil dieser durchaus chancenreichen Mannschaft bleiben. 

Aber der Reihe nach: Ich bin aufgrund meiner Elozahl und den Bestimmungen in den B-Kader gesetzt worden ebenso wie Jan Gustafsson auch, daher ist es mein Ziel meine Elozahl dauerhaft auf über 2650 zu steigern.

Es stimmt dass in Graz eine Wohnung angemietet habe, weil ich mich sowohl privat als auch beruflich gerne und oft dort aufhalte. Wie Sie sicherlich wissen, trainiere ich viel mit GM Markus Ragger und zudem gibt es in Graz noch weitere Schachspieler mit denen ich gerne trainiere und daher war es logisch, die Wege zu verkürzen, das hat aber mit einem angedichteten Föderationswechsel aber schon gar nichts zu tun!

Krennwurzn: Sie waren auch an der Karpow Schachakademie in Hockenheim tätig, haben Sie auch Ziele als Trainer?

GM Buhmann: Vorerst eher weniger, da ich mein Spiel verbessern und noch meine eigenen schachliche Ziele – auch mit der deutschen Nationalmannschaft - verwirklichen möchte. Später könnte ich mir durchaus vorstellen die reizvolle Aufgabe zu übernehmen ein Talent an die Weltspitze heranzuführen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Krennwurzn: Oh – ich sehe Ihr Essen wird serviert jetzt werden, danke für das Gespräch - Alles Gute für 2013 – vielleicht kommen Sie 2013 wieder nach Aschach und guten Appetit oder Mahlzeit wie man hier zu sagen pflegt!

GM Buhmann: Danke – Ihnen auch alles Gute für 2013!